Markus Binner arbeitet in den Forschungsfenlder Kunst und Essen, Gesprächssituationen, Sprache als Material und deren Repräsentation.

Schleimig oder slijmerig, eklig oder viez sind die am häufigsten genannten Attribute in Das mag ich nicht - Dat lust ik niet seiner Arbeit von 2012/13 die sich mit Essen, das abgelehnt wird beschäftigt.
Der Forschungsbericht der auch Kochbuch ist – mit einem Essay von Eva Sturm – erschien im Textem Verlag. Dafür sammelte Markus Binner im niederländisch-deutschen Grenzgebiet jeweils vom Nachbarn jenseits der Grenze abgelehnte Gerichte.
Was mögen die Niederländer an der deutschen Küche nicht und umgekehrt.
Mit einem von ihm zubereiteten Menü präsentiert er Das mag ich nicht - Dat lust ik niet zusammen mit dem Ökotrophologen Guido Ritter.

Fremdspeisen, Oberösterreich kocht war der Titel der zweier partizipativer Projekte. Zu den beiden kulinarischen Festen im August 2012 kamen hunderte Gäste auf den hölzernen Tanzboden am Linzer OK Platz.
Angeboten wurde bei Essen im Asyl exotische Alltagküche aus den Heimatländern von Asylbewerbern. Und von der jetzigen, nicht nur wirtschaftlichen, Lebensrealität sprechend gab es auf jedem Teller in Wasser eingeweichtes Toastbrot. Das eine häufige Speise in Asylwerberheimen ist, da es sich eingeweicht am besten schlucken läßt.
Bei Pommes rot, wurden in minimalistischer Manier ausschließlich frittierte Erdäpfelstäbchen und feinste Paradeisersaucen angeboten, Pommes frites sind im Erdäpfelland Oberösterreich nicht Teil der Imbisskultur. Das Buch dazu mit Beiträgen von zahlreichen Autorinnen und Autoren erscheint im Folio Verlag.

Singend vorgetragener Kochunterricht im 19. Jahrhundert, Sonnenherde, Hip-Hop und Cognac, Samuraisuppen, 46.000 verhungernde afrikanische Kinder täglich, Saatgut, Fortschritt, Revolution, Scheingerichte sind nur einige der „Themen“ um die es in den Speisekarten von Markus Binner geht.
Die kurzen Texte, in der Form einer Speisekarte sind dabei Vorlage fürs Menü und das Tischgespräch. Verschiedene Köche und er selber interpretieren die Texte kulinarisch. Seit 2006 Zusammenarbeit als Kohlparfait mit dem Wiener Haubenkoch Roman Steger (Restaurant Speisekammer). Buchbar für 10 – 80 Gäste.

Mit Sprache als Material arbeitet Markus Binner in verschiedenen Medien seit den 80er Jahren. Seine praktischen Untersuchungen zur Autorschaft verwenden meist kurze Textstellen. Die den Fragen nachgehen, wer spricht, darf sprechen, von wo aus, mit welchem Interesse, dabei sich und Wirklichkeit produzierend. Nach dem Studium, Mitte der neunziger Jahre, entwickelte er gemeinschaftlich, in verschiedenen Kooperationen, Ausstellungs- und Zeigeformen, die Betrachterinnen und Rezeptionssituationen mit in die Herstellung von Arbeiten einbezog. Nach Ausstellungen mit Barbetrieb lud er - immer in Kooperationen - zum Essen in Ausstellungen. Dies auch um die Gesprächssituation – die soziale Situation mit zu bearbeiten. Heute verwendet er die Situation am Esstisch, aber auch viele Themenfelder rund ums Essen mit als Material.

Markus Binner 1966 in Nürnberg geboren
Studium Kunstgeschichte, Philosophie, Afrikanistik in Köln
Studium Freie Kunst (bei Franz Erhard Walther und Michael Lingner) an der HfbK Hamburg, Diplom 1996,
lebt in Berlin

markusbinner(at)markusbinner.de